Asiatische Wassergärten


Asiatische Wassergärten


Auch in Deutschland erfreuen sich asiatische Wassergärten wachsender Beliebtheit. Mit einigen Accessoires wie Bambus, Fächerahorn und einer Steinlaterne schafft man aber noch keinen Teich im fernöstlichen Stil. Die Form, Anordnung und Ausstattung asiatischer Wassergärten lehnt sich an bestimmte Grundmuster an, die häufig Symbolcharakter haben und auf eine lange Tradition zurückgehen. Die ersten Gärten entstanden bereits im 11.Jahrundert v.Chr. im Süden Chinas. Dabei spielte zunächst die Architektur die Hauptrolle: Sommerpaläste, Teepavillons, Terrassen und große Teiche, in denen sich die Gebäude wiederspiegelten und auf denen man Bootsausflüge unternahm. In den Parks wurden seltene und jagbare Tiere gehalten. Bald kamen die ersten Zierfische hinzu. So entstanden aus dem Wildkarpfen die ersten farbigen Koi – noch lange vor den Goldfischen. Die gezielte Zucht dieser Farbkarpfen auf bestimmte Farbmuster erreichte aber erst in Japan ihren Höhepunkt.

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Farben und Elemente am Wassergarten

Rot gilt in der chinesischen und japanischen Tradition als Glückssymbol; daher sieht man oft leuchtend rote lackierte Tempelsäulen, Brückengeländer und Tore in asiatischen Gärten. Deshalb gehören rotblättrige Fächer- und Schlitzahorne zur Randbepflanzung japanischer Zierteiche. Und im durch Grünalgen getrübten Wasser tummeln sich goldrote Goldfische und Koi. In größeren Teichen werden häufig Inseln angelegt, die über Trittsteine zu erreichen sind. Solche Inseln stehen symbolisch für jene fünf Inseln der Seligen –irgendwo vor der Küste Chinas, auf denen die Menschen die Unsterblichkeit erlangen könnten. Auch ein kleiner Hügel oder aufragender Fels darf am asiatischen Wassergarten nicht fehlen. Er steht stellvertretend für den mystischen Shumiberg, der in der Mitte unseres Universums liegen soll. In Japan wird damit der Fuji-yama gemeint, in anderen Ländern des Fernen Ostens andere, als heilig verehrte Berge.

Besonders Symbolik kommt auch den Brücken in einem asiatischen Wassergarten zu. Die Brücken dürfen nicht strikt geradeaus führen, sonst könnten Geister über die Brücke kommen. Daher werden Holzbrücken oft im Zickzack über dem Wasser angelegt, das schützt vor bösen Geistern.

Eine wichtige Rolle als Stilelemente eines asiatischen Gartens spielen auch die Steine. Ihre Form, Größe und Anordnung – liegend oder aufrecht stehend – folgt strengen Regeln. Liegen die Steine falsch, werden damit Tabus gebrochen und es folgen unweigerlich Unglück und Strafen. Felsen, Steine und Kiesbeete erlangen schließlich überragende Bedeutung mit den Trockengärten und –wasserläufen des Zen-Buddhismus.

Der Teich im Asiatischen Wassergarten

Asiatische Gartenteiche wurden früher mit Ton und Lehm abgedichtet, Koi-Teiche werden auch heute noch in Beton angelegt. Folienteiche – wie in Europa – finden dagegen auch heute noch kaum Verbreitung. Fundamente für die Steine im Wasser und am Ufer sind auf Beton einfacher anzulegen.

Chinesische Gärten alten Stils sehen für unsere Begriffe naturferner aus als Japanische Gärten, da in China den Bauwerken die größte Bedeutung zugemessen wird. An Steinen werden vor allem pompösen Aufbauten aus porösem Kalk-Lochgestein verwendet. Pflanzen spielen dagegen in chinesischen Wassergärten eine untergeordnete Rolle. Typische Bestandteile chinesischer Gärten sind Monitore und Geisterwände, Brücken mit rotlackiertem Geländer. In japanischen Gärten dagegen lässt man den Hölzern dagegen ihre Naturfarben. Bei der Anlage der Gärten und Teiche steht vor allem der Einklang mit der Natur im Vordergrund. Steine werden unbehauen und so verwendet, wie sie von der Natur geformt wurden.

Eine besondere Bedeutung kommt in japanischen Wassergärten auch dem Licht zu: Lichtmuster, die von den durch das Laub dringenden Sonnenstrahlen auf die Wasserfläche geworfen werden und oder das warme Licht einer Steinlaterne reflektieren. Koreanische Gärten ähneln denen in China, ihre Symbolik ist jedoch mit dem Kulturtransfer weitgehend verloren gegangen. In Bali sind Gärten und Zierteiche stark von hinduistischen Elementen geprägt. Steinerne Tempelwächter, wasserspeiende, balinesische Drachen und Dämonenfische kommen auch bei uns immer mehr bei der Gestaltung asiatischer Wassergärten in Mode. Dazu kommt, dass die Koi-Zucht in Bali an Bedeutung gewinnt und japanischen Fischzüchtern zunehmend Konkurrenz macht.

Fische sind in asiatischen Ländern ein Symbol für Reichtum und Glück, Drachen gelten als wohlwollende Schutzgeister. Sie können ihre Größe variieren, für Regen sorgen oder sich unsichtbar machen. In Fengshui-Stil erbaute Hochhäuser haben immer eine große Öffnung zwischen den Blöcken, damit der Drache vom Berg ungehindert aufs Meer hinaus fliegen kann.

Teichpflanzen am Asiatischen Wassergarten

Für einen Teich im japanischen Stil sind Bambus und der Japanische Blatt- und Schlitzahorn als bestimmende Pflanzen am Teichrand unverzichtbar. Der Japanische Ahorn, genauer die beiden in ihren Ansprüchen ähnlichen Arten Acer palmatum und Acer japonicum, kommen aber nicht nur in Japan, sondern auch in Bergwäldern Koreas und Chinas vor. Deshalb sind sie winterhart und behalten auch bei uns bis weit in den Winter hinein ihr leuchtend rotes oder goldgelbes Herbstlaub. Diese Ahornsorten brauchen einen feuchten, aber durchlässigen Boden. Da sie klein bleiben, ist der Falllaubeintrag ins Wasser relativ gering und kann abgefischt oder durch ein Laubnetz abgefangen werden.

Als Bambus am Gartenteich kommen vor allem die kleinbleibenden Fargesia-Arten infrage. Größere Bambus breiten sich durch ihre mächtigen Wurzelstöcke rasch aus und brauchen deshalb eine gute, tief in den Boden reichende Rhizomsperre, sonst könnten sie den Teich unterminieren und Teichvlies und Folie durchdringen und beschädigen. Bambus spielt aber auch als Baumaterial eine wichtige Rolle. Damit lassen sich Stege, Tore und Bänke anlegen. Und auch bei uns kommen Bambusrohre als Wasserspender und Zulauf für den Gartenteich in Mode. Bei der „Wildscheune“ Shishi odoshi läuft Wasser aus einem kleineren Bambusrohr unten in ein größeres Rohr, dass schließlich nach unten klappt, das Wasser in den Teich gibt und dann wieder nach oben klappt. Mit dem dabei entstehenden typischen Klackgeräusch wollten die Reisbauern ursprünglich Wildtiere von ihren Feldern fernhalten. Beim Kakei Gata läuft dagegen das Wasser aus dem oberen kleineren Rohr in ein frei bewegliches größeres Rohr, das unter Pendelbewegungen ständig Wasser in wechselnden Bögen an den Teich abgibt.

Bambus ist in der asiatischen Mythologie Symbol für ein besonders langes Leben; Bambus ist biegsam, aber unzerbrechlich. Steinlaternen kommen zum großen Teil nicht mehr aus Japan zu uns sondern werden von geschickten Steinmetzen aus Bali hergestellt. Statt in schwerem Stein bekommt man Steinlaternen inzwischen auch aus wesentlich leichterem Resilin, die echten Steinlaternen zum Verwechseln ähnlich sehen.

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Dieser Wassergarten im chinesischen Stil stellt einen guten Kompromiss zwischen Ästhetik und Naturnähe dar.

Literatur

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TEICHFISCHER,B. (2006): Asiatisches Flair am Teich – Dekorationselemente im Japanischen Garten.- Gartenteich-Sonderheft „Wassergärten asiatisch“(Dähne Verlag, Ettlingen), S.52-57.
TEICHFISCHER, B. (2006): Kofuku no Niwa – ein neuer Japanischer Garten in Bad Langensalza.- in: Gartenteich – das Wassergarten-Magazin (Dähne-Verlag, Ettlingen), Heft 1/2006, S.54-57.
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