Der Seerosenteich


Der Seerosenteich


Unzweifelhaft ist die Seerose die Königin unter den Teichpflanzen. Aber zu einer Königin gehört auch, dass sie einen würdigen Platz einnehmen kann. Und das heißt vor allem genügend Freiraum. Von Natur aus halten Seerosen genügend Abstand untereinander.

Foto: H.Fröhlich

Seerosen sind nicht nur die Könige der Teiche, ein Seerosenbecken verleiht auch dem Garten eine besondere Atmosphäre. Das kann ein naturnah angelegter Teich mit einer geschwungenen Uferlinie oder ein formales, streng geometrisches Bassin mit einer kreisrunden Fläche, einem Quadrat oder Rechteckt sein.

Foto: H.Fröhlich

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Wichtig ist dass die Relationen zwischen Teichgröße, offener und mit Seerosen bedeckter Wasserfläche stimmen. Und das nicht nur aus optischen Gründen. Sowohl im Miniteich als auch in dem großen Gartenteich haben die eingesetzten Seerosen bald die gesamte Wasserfläche zugewuchert und die Schwimmblätter schieben sich bereits übereinander.

Beispiel 1

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Auch hier ist ein Chaos bald unvermeidlich! Wenn die Wasserrinne zwischen den Seerosenkolonien nicht durch den über mehrere Kaskaden herabstürzenden Bachlauf freigehalten würde, wäre bald die gesamte Teichoberfläche von wild durcheinander wuchernden Schwimmblättern der Seerosen überzogen. Sinnvoller wäre eine einzelne große Seerose, die sich ungestört auf der dem Bachlauf gegenüberliegenden Seite entfalten kann.

Beispiel 2

© Bombaert Patrick - Fotolia.com

Dieser formstreng gehaltene, sparsam bepflanzte und großzügig bemessene Teich bietet den passenden Rahmen für die Königin der Teichpflanzen, die Seerose. Von der Holzplattform neben den Wasserkaskaden im Hintergrund geht der Blick zu beiden Seiten von hohem Schilf umrahmt auf die weiß und purpurfarben blühenden Seerosen in der Beckenmitte.

In einem lang gestreckten, rechteckigen Becken sollte man nur jeweils eine Seerose an die beiden Enden setzen und die dazwischen liegende Wasserfläche frei lassen. In einem kleinen Garten setzt man die Seerose am besten in ein rundes Fertigbecken. Will man mehrere Seerosenarten pflegen, dann gibt man jeder Art und Sorte ein eigenes Becken, das können runde Becken verschiedener Größen, angefangen vom Miniteich für die Zwergseerose bis zu großen, tiefen Folienteichen für große Seerosenarten sein. Oder setzt man quadratische Becken verschiedener Größen dicht nebeneinander, getrennt durch Klinkereinfassungen, Steinplatten oder schmale Wege. Große Seerosenbecken kommen besonders gut zur Geltung, wenn sie von einer gepflegten Rasenfläche umgeben sind.

Jede Seerosenart und -sorte ist auf eine bestimmte Wassertiefe angewiesen. Sitzt sie zu tief, dann muss sie viel Energie aufwenden, um ihr Blatt bis zur Wasseroberfläche wachsen zu lassen. Dann fehlt ihr die Kraft, Blüten zu entwickeln. Genauso beansprucht jede Seerose eine bestimmte Wasserfläche, um sich frei entfalten zu können. Je nach Seerosenart können das 0,7 bis 3m² sein. Hat sie die nicht zur Verfügung, dann machen sich die Pflanzen in ihrem Platzanspruch gegenseitig Konkurrenz oder die Schwimmblätter schieben sich übereinander oder türmen sich soweit auf, dass für die Blüten kaum noch Platz bleibt. Auch wenn das Teichwasser zu viel Nährstoffe enthält und die Seerosenpflanze überdüngt wird, dann entwickelt sie viel zu viel Blattmasse, aber keine Blüten mehr.

Ist der größte Teil der Wasseroberfläche im Teich von Seerosen- oder anderen Schwimmblättern bedeckt, dann ist der Gasaustausch zwischen Wasser und Luft behindert und es entwickeln sich Faulgase und Faulschlamm am Teichgrund, bis schließlich auch die Seerosenpflanzen eingehen.

Aber auch aus optischen Gründen brauchen Seerosen Platz: Ein Seerosenteich wirkt dann besonders harmonisch, wenn das Verhältnis von Seerosenfläche zu freier Wasserfläche mindestens 1 : 2 beträgt. Damit die Seerosen auch voll zur Geltung kommen, darf der Teich nur sparsam mit weiteren Pflanzen besetzt werden. Eine Handvoll kleiner Schwimmpflanzen wie Salvinia, Azolla, Froschbiss oder Muschelblumen als Vasallen der Seerosenkönigin sind kein Problem, wenn man sie rechtzeitig immer wieder auslichtet. Größere oder blühende Schwimmpflanzen wie die Krebsschere, Wassernuss oder die exotische Wasserhyazinthe würden der Seerose dagegen die „Schau stehlen“. Nimmt die Seerose die Teichmitte ein, dann kann man an den Rand des Teiches ein oder zwei höhere Stauden der Röhrichtzone setzen, z.B. einen Zwergrohrkolben.

Während immer wieder empfohlen wird, dass der Gartenteich teilweise im Halbschatten liegt, gilt das für einen Seerosenteich nicht unbedingt. Zumindest die Seerosenpflanzen selbst müssen im vollen Sonnenlicht liegen. Sonst öffnen sich die Blüten nicht. Allerdings gibt es auch tropische Seerosenarten, die nachts blühen.

Ist der Seerosenteich den ganzen Tag über der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt, dann droht an heißen Sommertagen bald eine Überhitzung des Wassers, was den Tod der Teichfische bedeuten kann, auch wenn sie sich in den Schatten unter den Schwimmblättern der Seerose flüchten. Außerdem steigt mit der Wassertemperatur die Gefahr einer explosionsartigen Massenvermehrung von Algen, eine sogenannte „Algenblüte“. Umso wichtiger ist es, dass das Teichwasser möglichst nährstoffarm ist, denn ein Überschuss an Nährstoffe ist die zweite Voraussetzung für eine Algenblüte. Deshalb sollte man im tieferen Wasser stark Nährstoff zehrende Wasserpflanzen wie das Hornkraut, die Wasserpest oder ein Tausendblatt ansiedeln. Allerdings brauchen Seerosen eine optimale Nährstoffversorgung, sonst entwickeln sie kaum Blätter und blühen auch nicht. Satt den Flüssigdünger ins Wasser zu geben, versorgt man sie mit einem Langzeitdünger in Form von kleinen Düngerkügelchen, die man dicht nahe ihres Rhizoms in das Pflanzsubtrat steckt.

Auch Wasserspiele können einen Seerosenteich weiter aufwerten. Dann muss die Wasserfontäne aber in weitem Abstand zu den Seerosen platziert werden. Denn keine Seerose verträgt es auf Dauer, wenn ständig Wasser auf ihre Schwimmblätter plätschert.





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