Was tun, wenn Eis die Teichfläche bedeckt?

Bei Dauerfrost bildet sich auf dem Gartenteich bald eine Eisschicht. Doch auch unter Eis können Fische überleben. Grund ist eine besondere physikalische Eigenschaft des Wassers, die sogenannte Dichteanomalie. Während die Dichte und damit auch das Gewicht der meisten anderen Substanzen mit sinkender Temperatur schwerer ist, hat Wasser bereits bei plus 4°C seine größte Dichte erreicht. Sinkt die Temperatur weiter gegen den Nullpunkt, dann wird Wasser wieder leichter. Das bewirkt, dass sich das schwere, 4°C kalte Wasser am Gewässergrund sammelt, während sich das leichtere - das Eis - also Null Grad kaltes Wasser, zunächst an der Oberfläche bildet. Ist der Gartenteich genügend tief, dann wird es also kaum bis zum Boden durchfrieren. Dann haben die Fische, die sich zur Winterruhe in die unteren Wasserschichten zurückziehen, eine gute Chance am Teichgrund zu überleben.

Während dieser Zeit ist der Stoffwechsel der Fische stark heruntergesetzt und sie brauchen weniger Sauerstoff. Hat sich jedoch im Laufe des Sommers eine dicke Schicht aus Schlamm am Teichgrund gebildet oder hat man es versäumt, im Herbst abgestorbene Pflanzenteile oder Falllaub aus dem Teich zu entfernen, so können sich Faulgase bilden. Unter einer geschlossenen Eisdecke können diese giftigen, stinkenden Faulgase nicht mehr entweichen und sammeln sich im Teich. Dann drohen die Fische zu ersticken.

Das Verkehrteste, was man nun tun kann, ist das Eis aufzuhacken! Durch den Lärm werden die Fische abrupt aus ihrer Winterruhe aufgeschreckt und erleiden einen Schock. Das kann ihnen den Tod bringen, da ihr stark herabgesetzter Stoffwechsel sich nicht so schnell anpassen kann.

Genauso unsinnig, ist es ein Bündel Stroh ins Wasser zu stellen, damit die Teichfläche nicht völlig zufriert – obwohl das immer wieder empfohlen wird. Das Stroh würde im Teich verrotten, wobei die am Abbauprozess beteiligten Mikroorganismen viel Sauerstoff verbrauchen. Solche Strohbündel würden also das Wasser weiter belasten, statt den Sauerstoffeintrag ins Gewässer zu verbessern.

Wirkungsvoller und ohne negative Auswirkungen auf die Wasserqualität sind dagegen im Gartenfachhandel angebotene Eisfreihalter. Einfache Eisfreihalter bestehen in der Regel aus einem kälteisolierenden Ring aus Polystyrol mit einem Entlüftungsschacht in der Mitte, in den ein Rohr eingesetzt wird. Damit der leichte Polystyrolring nicht von der sich schließenden Eisdecke über die Wasseroberfläche hinaus geschoben wird, muss er mit Gewichten beschwert werden. Manche Modelle haben stattdessen eine Ballastkammer, die mit Kies gefüllt werden kann, damit der Eisfreihalter knapp unter der Wasseroberfläche positioniert werden kann. Es gibt auch Eisfreihalter, in die zusätzlich eine Umwälzpumpe integriert ist. Damit soll die Wasserzirkulation und der Sauerstoffentrag in die unteren Wasserschichten verbessert werden. Mit der Störung der natürlichen thermischen Schichtung im Teich erreicht man aber lediglich, dass das kältere Oberflächenwasser in die Tiefe gelangt und die Fische am Teichgrund dann doch erfrieren können. Außerdem ist es eine Illusion, dass man damit die Sauerstoffkonzentration im Wasser erhöhen könnte. Eher werden im Teichschlamm gebundene Faulgase freigesetzt.

Gute Hilfe bei akutem Sauerstoffmangel im Teich kann dagegen ein Oxydator, wie man sie seit langem auch in der Aquaristik einsetzt, bringen. Der Oxydator wird an der tiefsten Stelle im Teich platziert. Er enthält eine Patrone mit einem Liter 30%-igen Wasserstoffperoxids, der freigesetzt, zu Wasser und reinem Sauerstoff zerfällt. Damit entsteht ein permanenter Strom aus fein verteilten Sauerstoffbläschen. So wird die Tiefenzone, in die sich die Fische im Winter zurückgezogen haben, mit Sauerstoff angereichert, ohne dass der Bodenmulm aufgewirbelt oder die natürliche thermische Schichtung im Teich gestört wird. Das Gerät funktioniert ohne Strom und reicht für ein Wasservolumen von etwa 4m³ aus. Auch im Sommer kann ein Oxydator gute Dienste bei der Verbesserung der Wasserqualität leisten. Ist das Gerät leer und das Wasserstoffperoxid verbraucht, dann treibt es an die Wasseroberfläche und kann mit einer neuen Patrone bestückt werden.