Was tun, wenn akuter Sauerstoffmangel herrscht?

Der Gehalt an gelösten Sauerstoff im Wasser ist vor allem von der Wassertemperatur abhängig. Mit steigender Wassertemperatur sinkt die Sauerstoffkonzentration ab. Im Gegensatz dazu nimmt aber der Sauerstoffbedarf der Fische bei einer Temperaturerhöhung rasch zu. Da kann es an heißen Sommertagen rasch zu Problemen bei der Sauerstoffversorgung der Fische kommen.

Die Wasserpflanzen nehmen im Wasser gelöstes Kohlendioxid auf und setzen im Gegenzug im Rahmen ihrer Photosynthese Sauerstoff frei. Andererseits brauchen sie, einen wenn auch geringeren Anteil, an gelöstem Sauerstoff im Wasser zum Atmen. Da die Photosyntheseleistung lichtabhängig ist, wird nachts kein Sauerstoff produziert, sondern von Pflanzen und Tieren verbraucht. Dann kann gegen Morgen die Sauerstoffkonzentration unter eine kritische Grenze sinken und die Fische hängen nach Luft schnappend an der Wasseroberfläche.

Jetzt ist rasche Hilfe notwendig, sonst ist das Fischsterben unausweichlich. Als Erstmaßnahmen setzt man eine Membranpumpe in Gang, die über einen Schlauch und einen Ausströmerstein feinperlige Luft in den Gartenteich pumpt – ein Equipment, wie man es in der Aquaristik seit langem zur Sauerstoffversorgung einsetzt. Zusätzlich lässt man frisches Leitungswasser ins Teichbecken laufen. Außerdem kann man Sauerstofftabletten ins Teichwasser werfen. Dies sollte als Sofortmaßnahme reichen, um die Konzentration an gelöstem Sauerstoff soweit zu erhöhen, dass die Fische außer Lebensgefahr sind.

Damit der Sauerstoffgehalt nicht wieder unter die kritische Mindestkonzentration absinkt, wird ein sogenannter Oxydator an dem tiefsten Punkt der Flachwasserzone im Teich installiert, also in etwa 60cm Tiefe. Solch ein Sauerstoffgerät funktioniert auf rein chemischer Basis. Eine Patrone enthält einen Liter einer 30%-igen Wasserstoffperoxid Lösung. Diffundiert der Wasserstoffperoxid nach und nach im Wasser, dann zerfällt er in Wasser und Sauerstoff. Es entstehen also keine chemischen Rückstände, die für die Fische giftig sein könnten. Der Oxydator funktioniert zudem ohne Strom, es müssen also keine Kabel und Schlauchverbindungen im Teich verlegt werden. Ist die Patrone leert, dann kommt der Oxydator von selbst durch den Auftrieb an die Wasseroberfläche und kann dann entnommen und neu gefüllt werden. Das Gerät sollte jedoch für einige Zeit für ein Wasservolumen von 4 m3 reichen.

Natürlich kann das keine Dauerlösung sein. Wäre der Gartenteich sachgerecht geplant, sorgfältig angelegt und der Teich ausreichend mit Schwimmblattpflanzen und Unterwasserpflanzen ausgestattet, dann hätte es nicht zu einem Sauerstoff-Kollaps kommen dürfen. Nun gilt, diese Anfangsfehler soweit wie möglich zu korrigieren. Einer der häufigsten Fehler ist ein zu dichter Fischbesatz. Man rechnet pro mittelgroßen Fisch mit einem Wasserbedarf von etwa 1000 Liter, wobei der erste Kubikmeter Wasser den Pflanzen und Kleinlebewesen vorbehalten bleibt. Also gehören beispielsweise in einen Teich mit einem Fassungsvermögen von 10m³ nicht mehr als 9 Goldorfen, Goldfische oder kleinere Koi. Handelt es sich um kleine Fische wie Moderlieschen, Elritzen, Bitterlinge oder Stichlinge, dann dürfen es schon etwas mehr sein. In einen 1000 Liter-Teich – das ist meist schon die Obergrenze für Kunststofffertigteiche – sollte man also gar keine Fische einsetzen!

Damit sich das Teichwasser im Sommer nicht zu stark aufheizt, sollte der Standort für den Gartenteich so gewählt werden, dass rund ein Drittel der Wasserfläche um die Mittagszeit im Schatten liegt. Dies kann man auch nachträglich erreichen, indem hochwachsendes Chinaschilf, Bambus oder auch Koniferen in die Nähe des Südufers pflanzt. Zusätzlich sollten Seerosenblätter oder Schwimmblattpflanzen ein weiteres Drittel der Wasserfläche bedecken, um die Sonneneinstrahlung zu dämpfen. Außerdem halten sich die Fische gerne unter den Schwimmblättern auf. Der Gartenteich sollte ab einer Wassertiefe von 50cm dicht mit Wasserpest, Hornkraut, Tausendblatt oder anderen feinfiedrigen Wasserpflanzen besiedelt werden, da diese submersen Pflanzen hervorragende Sauerstoffproduzenten sind und durch ihren Nährstoffverbrauch das Teichwasser klar und algenfrei halten. Die Fische dürfen nur so viel gefüttert werden, wie sofort gefressen werden kann und das sich am Teichgrund keine Futterreste sammeln. Verblühte und welke Pflanzenteile sind regelmäßig aus dem Teich zu entfernen. Sollte sich trotzdem Faulschlamm am Teichboden sammeln, sollte man diesen in regelmäßigen Abständen mit Hilfe einer Saugpumpe aus dem Teich abziehen. Zusätzlich kann ein Skimmer eingesetzt werden, um auf die Wasseroberfläche fallendes Laub, Blütenstaub u. ä. zu entfernen.