Was ist zu tun, wenn der Teich verlandet?

Das sogenannte Biologische Gleichgewicht im Teich ist in Wirklichkeit nur eine Momentaufnahme. Ein stehendes Gewässer stellt kein stabiles Endstadium eines Ökosystems dar. Im See, Weiher oder Teich laufen verschiedene dynamische Prozesse, die früher oder später unweigerlich zur Verlandung und damit zum Verschwinden des Gewässers führen. Auch einen Gartenteich, der sich mehr oder weniger selbst überlassen bleibt, ereilt irgendwann dieses Schicksal. Die Geschwindigkeit dieses Alterungsprozesses hängt von der Gewässerfläche, der Gewässertiefe, den Röhricht- und Schwimmblattpflanzen, aber auch vom Nährstoffeintrag in das Wasser ab.

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In diesem Teich ist fast die gesamte Wasserfläche von Seerosenblättern bedeckt, die sich teilweise schon aus Platzmangel in die Höhe türmen, und vom Ufer her schieben sich die Gräser der Röhrichtzone unaufhaltsam Richtung Teichmitte. Da ist das Ende dieses Teiches im wahrsten Sinne schon in Sichtweite.

Je kleiner das Gewässer und je dichter es mit Pflanzen besetzt ist, desto schneller wird es im Allgemeinen verlanden. Und da ein Gartenteich im Vergleich zu einem natürlichen Stillgewässer zwangsläufig immer zu klein ist, droht er besonders schnell zu verlanden – wenn nicht er nicht vorausschauend geplant wurde oder hin und wieder durch gezielte, aber behutsame Pflegemaßnahmen zum richtigen Zeitpunkt regulierend eingegriffen wird.

Viele Fehler werden allerdings schon bei der Anlage und dem Besatz mit Pflanzen und Fischen begangen und ließen sich durch eine vorausschauende Planung vermeiden.

Anschaulich in Wort und Bild stellt JOREK (2004) den Ablauf solcher Alterungsprozesse in verschiedenen Typen von Gartenteichen in dem Kapitel „Auch Gartenteiche leben, altern und sind irgendwann am Ende“ dar. Einem Mini-Naturteich räumt er bis Verlandung 6 Jahre ein. Wird dieser Teich mit Fischen besetzt, falsch angelegt oder gelangen zu viele Nährstoffe in der Anfangsphase ins Wasser, dann reduziert sich seien Lebensdauer auf 4 Jahre. Größere Teiche leben natürlich etwas länger. Bei einem Naturteich mit 100qm Wasserfläche und Fischbesatz und zu hohem Nährstoffeintrag setzt der Alterungsprozesse bereits im 4. Jahr ein und mit 7 Jahren ist das Ende erreicht. Würde man keine Fische in einen optimal angelegten Teich dieser Größe einsetzen, erhöht sich die Lebensdauer bereits auf 15 Jahre. Nach JOREK altert der Gartenteich gar nicht, wenn über die richtige Filtertechnik das nährstoffreiche Sedimentpermanent aus dem Teich abgezogen wird. Das gilt auch dann, wenn der Teich mit einer auf die Teichgröße abgestimmte Zahl von Fischen besetzt wird.

In jedem Teich bildet sich nach der klaren Starphase eine dichte Algenblüte, dann vermehren sich die Fadenalgen und das Wasser wird wieder klar. Das ist ein ganz normaler Prozess, der sich solange wiederholt, bis die höheren Teichpflanzen soweit herangewachsen sind, dass sie als Nahrungskonkurrenten den Algen genügend Nährstoffe entziehen können. Auch die Teichfische, in der Mehrzahl vor allem Pflanzenfresser, können helfen, die Algen zu dezimieren. Viele Gartenteichbesitzer bringen jedoch nicht die Geduld auf, solch einen Zyklus abzuwarten und greifen zur falschen Zeit in den Selbstreinigungsprozess ein. Sie wollen den Gartenteich von Grund auf reinigen, um das Wasser klar und algenfrei zu bekommen. Damit erreicht man aber häufig genau das Gegenteil: Das System startet wieder durch und der Zyklus mit Klarwasserstadium, Algenblüte, Fadenalgen, Algenblüte beginnt von vorne. Die Unterwasserpflanzen haben keine Chance, das Regime im Teich zu übernehmen und die Algen auf Dauer zurückzudrängen. Fazit: Auch ein Zuviel an Pflegemaßnahmen oder Eingriffe in das Ökosystem Teich zum falschen Zeitpunkt kann mehr schaden als nutzen.

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Hier nehmen die Gräser mit ihren Ausläufern den größten Teil der Freiwasserzone unkontrolliert nach und nach in Besitz. Dieser Teich ist nur noch mit großem Aufwand vor der Verlandung zu retten; dazu gehört, dass die Ausläufer der Gräser gekappt werden, die Mutterpflanzen herausgenommen und in separaten Pflanzgefäßen dann wieder vereinzelt in die Flachwasserzone gestellt werden.

Das sind natürlich alles gut gemeinten Ratschläge, die man bei Planung, Bauausführung und Besatz des Gartenteichs berücksichtigen sollte. Und wenn nicht, lassen sich solche Fehler später wenigstens teilweise korrigieren? Was kann man tun, wenn der Verlandungsprozess bereits eingesetzt hat?

Probleme bereiten eigentlich weniger die Unterwasserpflanzen. Als Sauerstofflieferanten und zur Nährstoffreduktion sorgen sie eher für stabile Verhältnisse im Gartenteich und halten unerwünschte Algen in Schach. Stattdessen muss man dem Ausbreitungsdrang von Röhrichtpflanzen, den Seerosen und anderen Pflanzen der Schwimmblattzone Einhalt gebieten. Die einzelnen Pflanzen haben mit der Bildung von Ausläufern, an denen sich Teichpflanzen bilden, mit am Gewässerboden kriechenden Rhizomen, durch Zerfall und Abschnüren einzelner Sprossenteile oder durch Samenbildung ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, sich ausbreiten. Diesen Ausbreitungsmechanismus muss man kennen, um die Pflanzen in ihre Schranken weisen zu können. POLASCHEK (2007) gibt eine tabellarische Übersicht über die Vermehrungs- und Ausbreitungsformen der am häufigsten an Verlandungsprozessen beteiligten Teichpflanzen, die entweder regelmäßig ausgeleichtet und zurückgedrängt oder in Kübel und Pflanzgefäßen isoliert werden müssen.

Die meisten Schwimmpflanzen, kann man, wenn sie sich zu stark ausbreiten, einfach abfischen und aus dem Teich entfernen. Dazu gehören Algen- und Schwimmfarne, die Wasser- und Teichlinse, aber auch größere Pflanzen wie die Muschelblume und die Wasserhyazinthe. Schwimmpflanzen, die sich über Ausläufer ausbreiten, kann man stutzen, oder wie bei dem Froschbiss, der im Herbst in seinen Blattachseln Turionen bildet, einen Teil dieser Überdauerungsorgane, bevor sie zum Überwintern auf dem Gewässerboden sinken, einfach wegnehmen.

Viele Fehler werden auch gemacht, wenn man zu wenig Freifläche für die Seerosen einplant. Selbst kleinere Zwergseerosen beanspruchen bereits bis zu 1qm Wasserfläche, große Seerosen brauchen teilweise mehr als 2qm. Die Freiwasserzone außerhalb der Röhrichtpflanzen sollte nicht zu mehr als einem Drittel von Seerosen oder anderen Schwimmblattpflanzen bedeckt sein. Stehen die Seerosen zu dicht beieinander oder bleibt ihn ringsum zu wenig Fläche zum Ausbreiten, dann entwickeln sie zwar jede Menge Blattmasse, bis sich die Schwimmblätter schließlich übereinander türmen, aber die Blütenbildung unterbleibt. Das gleiche gilt, wenn die Pflanzkörbe mit den Seerosengewächsen zu tief gesetzt werden. In jeder Wachstumsphase sollten die Seerosen so platziert werden, dass sie sich knapp unter der Wasseroberfläche ausbreiten können. Je nach Seerosen-Sorte kann man bei einem optimalen Wachstum mit einem Verhältnis von Schwimmblättern zu Seerosenblüten von 10 bis 16 zu 1 rechnen.

Einige Pflanzen der Ufer- und Flachwasserzone schieben sich langsam, aber stetig mit ihren Ausläufern Richtung Teichmitte vor. Besonders lange Ausläufer bildet z.B. die Wasserminze. Ihnen kann man beikommen, indem man die neuen Ausläufer immer wieder abschneidet. Aber auch einige Unterwasserpflanzen wie die Nadelsimse bilden durch ihre Ausläufer dichte Rasenflächen und Polsterbestände, die immer wieder ausgedünnt werden müssen. Solitärpflanzen, die keine Ausläufer bilden, wie der Froschlöffel, kann man an einer übermäßigen Vermehrung hindern, indem man rechtzeitig ihre Blütenstände stutzt, bevor die Samen ausgereift sind. Pflanzen der Flachwasserzone, die sich mit Hilfe ihrer stark entwickelten Wurzelstöcke ausbreiten, setzt man entweder in einen abgegrenzten Bereich (in einem Fertigteich, bei dem die Flachwasserzone vom tieferen Wasser durch einen umlaufenden Holm abgegrenzt ist, lässt sich das leicht bewerkstelligen) oder pflanzt sie gleich in separate Pflanzkörbe. In diese Kategorie gehören u.a. die Schwanenblume, der Kalmus, Teich- und Sumpfschachtelhalm. Igel- und Rohrkolben und andere Gräser gehören nur in einen sehr großen Teich. Einhalt kann man diesen Pflanzen nur durch eine tief in den Untergrund reichende Rhizomsperre gebieten. Oder besser, man setzt diese Röhrichtpflanzen in einen separaten, vom eigentlichen Gartenteich getrennten Bereich – z.B. in einen Filtergraben, wo sie bei der Reinigung des durch den Graben fließenden Teichwassers gute Dienste leisten.

Literaturhinweise

JOREK, N. (2004): Auch Gartenteiche leben, altern … und sind irgendwann am Ende.- in: Beispielhafte Gartenteiche (Verlag Natur und Garten, Ibbenbühren ), S. 46ff.
POLASCHEK,I. (2007 ): Tiefverwurzelt – es wurzelt und wuchert im Wassergarten.- in: Gartenteich – das Wassergartenmagazin (Dähne Verlag, Ettlingen), Heft1/2007, S. 20-24.