Der Bitterling - Rhodeus sericeus armarus

  • Bitterling
  • lat: Rhodeus sericeus armarus
  • Haltung: mittel
  • Zucht: mittel
  • Alter: 4 bis 5 Jahre
  • Standort: im Flachwasserbereich
  • Wasserbedingungen: 6 bis maximal 23°C
  • Winterhart: ja

Der Bitterling ist ein recht unscheinbarer, sibrig gefärbter, kleiner Fisch, der vor allem wegen seiner interessanten Fortpflanzungsbiologie im Kaltwasseraquarium gepflegt wird. Die Fischlarven entwickeln sich nämlich nur im Kiemenraum von Maler- oder anderen Flussmuscheln, die sie erst als 1cm große Jungfische verlassen. Auch die Muschel profitiert von dieser Symbiose. Die Muschel stößt ihre Larven aus, die mit langen Fäden im Wasser treiben, bis sie sich an den Kiemen von Bitterlingen oder anderen Fischen anheften und dort zu kleinen, fertigen Muscheln entwickeln. Will man beide, Bitterlinge und Muscheln erfolgreich im Gartenteich halten und vielleicht sogar züchten, dann brauchen beide in der Flachwasserzone eines mittegroßen Teiches einen sandigen Untergrund, der zum Teil von Pflanzen frei sein sollte. Damit man beide gut beobachten kann, wählt man am besten einen hellen Sand. Wichtig ist für beide sauberes, klares Wasser, welches aber trotzdem genügend planktische Algen enthalten muss, damit die Muscheln genügend Nahrungspartikel zum Abfiltrieren haben.

Foto: Ostjan, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported



Verbreitung und Lebensraum des Bitterlings

Der Europäische Bitterling bewohnt pflanzenreiche, flache, stehende und langsam fließende Gewässer mit einem sandigen oder schlammigen Untergrund, wobei er zur erfolgreichen Fortpflanzung auf Maler- oder andere kleinere Flussmuscheln angewiesen ist. Sein Verbreitungsgebiet reicht von östlich der Pyrenäen und Südengland, nördlich der Alpen bis Osteuropa, zur Wolga, und den Gewässer rund ums Schwarze Meer und bis zum Kaspischen Meer. Die Art fehlt auf der Iberischen Halbinsel, in Italien und dem westlichen Balkan, sowie in Skandinavien. Seinen Namen Bitterling hat er von seinem bitteren Beigeschmack. Regional wird er auch Bauernkärpflein, Bitterfisch, Kobausch, Pille oder Weberle genannt. In schlechten Zeiten wurde er früher auch gegessen, heute hat dieser kleine Fisch aus der Familie der Karpfenartigen keine wirtschaftliche Bedeutung mehr.

Merkmale, Form und Färbung des Bitterlings

Außerhalb ist der 6 bis 8cm lange Bitterling eher unscheinbar graugrün gefärbt, mit etwas helleren, silbrig glänzenden Flanken und einer weißlichen Bauchpartie. Er ist relativ hochrückig gebaut mit einem seitlich abgeflachten Körper. Die Männchen sind während der Laichzeit an der intensiveren Färbung und dem Laichausschlag in der Kopfregion zu erkennen. Sie haben dann eine rötliche Kehle, Brustbereich und die Vorderkörperpartie können ebenfalls eine rötliche Färbung annehmen, während die Rückenpartie bläulich grün schimmert. Außerhalb der Laichzeit kann man das Männchen an der oberen Irishälfte erkennen, die leicht rötlich gefärbt ist. Die Weibchen haben einen eher silbrig glänzenden Körper und eine etwa 4 bis 5cm lange Legeröhre, die allerdings nur während der Laichzeit gebildet wird.

Pflege des Bitterlings im Gartenteich

Bitterlinge und die mit ihnen in Symbiose lebenden Malermuscheln brauchen einen mittelgroßen Gartenteich mit einer ausgedehnten Flachwasserzone von 20 bis 40cm, die nur teilweise bepflanzt sein darf. Um die Fische gut beobachten zu können und damit sich die Muscheln teilwiese in den Untergrund eingraben können, wählt man einen feinen, möglichst hellen Sand. Günstig ist auch eine leichte Wasserströmung, erzeugt durch eine kleine Umwälzpumpe oder Teichbelüftung. Bitterlinge kann man im Gartenteich am besten mit Plankton und kleinerem Lebendfutter wie Wasserflöhen, Tubifex und Mückenlarven, aber auch mit handelsüblichem Trockenfutter für Zierfische füttern. Die mit ihnen in Symbiose lebenden Muscheln finden eigentlich genug abfiltrierbare, planktische Algen im Teichwasser; ansonsten bietet man ihnen gelegentlich fein zermahlene, in Wasser suspendierte Futtertabletten oder Flüssigplankton mit einer Glaspipette, die man über der Atemöffnung der Muschel entleert. Andererseits wühlen die Bitterlinge auf der Suche nach Würmern und anderer Nahrung den sandig-mulmigen Untergrund immer wieder auf, sodass die Muscheln die aufgewirbelten Schwebstoffe abfiltrieren können. Will man die Bitterlinge erfolgreich zur Fortpflanzung bringen, dann sollte man sie im Gartenteich nicht mit anderen Fischarten vergesellschaften. Empfehlenswert ist auch nicht die gemeinsame Haltung von Europäischen und Asiatischen Bitterlingen. Denn diese auch als Hongkong-Bitterling oder Goldbitterling (Rhodeus ocellatus ocellatus) genannte und seit einigen Jahren im Zoofachhandel angebotene Art kann sich mit den einheimischen Bitterlingen kreuzen und dann unfruchtbare Nachkommen bilden.

Vermehrung des Bitterlings

Bitterlinge können sich nur in Symbiose mit Maler- oder Flussmuscheln (der Gattungen Unio, Pseudanodonta und Andonta) erfolgreich vermehren. Während der Fortpflanzungszeit zwischen Mai und Juni wächst beim Bitterlings-Weibchen aus der Geschlechtsöffnung eine etwa 4 bis 5cm lange, dünnhäutige Legeröhre, mit deren Hilfe die Eier zwischen die Kiemen der Muschel platziert werden. Das Männchen folgt dem Weibchen und entlässt seine Spermien unmittelbar danach über der Mantelhöhle der Muscheln, sodass sie mit dem Atemwasserstrom der Muschel eingesaugt werden. Dieser Laichakt wiederholt sich immer wieder, bis alle etwa 40 Eier in die Kiemenhöhle der Muschel gelegt und befruchtet sind. Die Fischlarven sind in der Muschel gut vor Fressfeinden geschützt und werden mit dem Atemwasserstrom der Muschel auch mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Sie zehren von ihrem Dottersack und wachsen im Kiemenraum der Muschel bis zu etwa 5 bis 8mm großen Jungfischen heran. Die Muschel ihrerseits entlässt ihre Larven, die sogenannten Glochidien, die mit feinen Haken besetzt sind, in das Wasser, wo sie an Fäden treibend sich an der Haut von vorbeischwimmenden Fischen anheften. Mit ihren scharfen Haken schlägt die Muschellarve dabei eine kleine Wunde in die Fischhaut; das umliegende Gewebe reagiert mit verstärktem Wachstum und umwächst die Glochidie vollständig, die dann so geschützt ihre Entwicklung im Laufe von 3 bis 4 Wochen bis zur fertig ausgebildeten, kleinen Muschel fortsetzen kann. Die Muschel hinterlässt dabei eine offene Wunde, die erst langsam heilt und sich wieder schließt. In diese Wunde können Krankheitskeime eindringen, wenn der Glochidienbefall zu zahlreich wird. Auch aus diesem Grund sollte man auf ein ausgewogenes Zahlenverhältnis zwischen Fischen und Muscheln achten. Pro Bitterlingspärchen sollte jeweils nur eine Muschel in den Teich gesetzt werden. Pro Kubikmeter Teichvolumen sollten andererseits auch nicht mehr als 4 Bitterlinge in den Gartenteich eingesetzt werden.

Erwähnenswert ist andererseits, dass öfters beobachtet wird, dass mehrere Bitterlingspärchen in ein und derselben Muschel ablaichen können, sodass man im Kiemenraum ein einzigen Muschel manchmal gleichzeitig mehrere Entwicklungsstadien der Fischlarven nebeneinander finden kann. Aber auch mehrere Weibchen können sich mit einem einzigen Männchen paaren. Ebenso kommt es vor, dass ein Weibchen seine Eier in eine Muschel abgibt, die dann hinterher von mehreren Männchen besamt werden. Wie effektiv diese Vermehrungsmethode der Bitterlinge ist, zeigt sich auch daran, dass sie nur jeweils bis zu 40 Eier pro Weibchen produzieren, während die Frei- und Haftlaicher unter den Karpfenfischen mehrere Hundert bis Tausende von Eiern legen müssen, um ihren Bestand erhalten zu können.

Literaturhinweis

WEGMANN,A.: Bitterlinge – ohne Muscheln geht es nicht.- in: Gartenteich – Das Wassergartenmagazin 3/2006, S. 26-28.