Der Dreistachlige Stichling - Gasterosteus aculeatus

  • Dreistachliger Stichling
  • lat: Gasterosteus aculeatus
  • Haltung: einfach
  • Zucht: mittel
  • Alter: bis 3 Jahre
  • Standort: oberen Wasserschichten
  • Wasserbedingungen: 4 bis 20oC, pH >6,5
  • Winterhart: ja

Der Dreistachlige Stichling besiedelt die unterschiedlichsten Gewässer und ist auch recht abwassertolerant, daher ist er in Deutschland noch recht häufig. Zur Laichzeit sind die Stichlingsmännchen recht aggressiv und brauchen eigene Reviere. Der Gartenteich sollte daher nur mit einer kleineren Gruppe von Stichlingen besetzt werden, da sie sich auch rasch vermehren. Eine gemeinsame Pflege mit anderen kleinbleibenden Fischen wie dem Bitterling, der Elritze oder dem Moderlieschen kommt nur in großen Teichen infrage. Die Stichlingsmännchen legen zur Laichzeit ein Nest an, locken eines oder mehrere Weibchen zur Eiablage ist das tunnelförmige Nest, besamen die Eier und bewachen dann das Gelege und die Fischlarven, bis sie als Jungfische das Nest verlassen. Stichlinge lassen sich mit Lebendfutter aller Art versorgen; sie verschmähen aber auch Fischlaich nicht und machen Jagd auf Kaulquappen.

Foto: Tino Strauss, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported



Verbreitung und Lebensraum des Dreistachligen Stichlings

Stichlinge bilden eine eigene Fischfamilie (Gasterosteidae), die in den gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre verbreitet ist. Der einheimische Dreistachlige Stichling ist in Europa in den Küsten- und Binnengewässern weit verbreitet. Außerhalb Europas kommt die Art auch in Nordamerika und Nordasien vor, stellenweise sogar in Nordafrika nördlich des Atlasgebirges. Neben stationären Stämmen, die ausschließlich in Binnengewässern leben, gibt es marine Formen, die nur zur Laichzeit ins Süßwasser ziehen. Regional ist der Dreistachelige Stichling auch unter den Namen Stachelbarsch, Stachelfisch und Stechbüttel bekannt. Früher war der Dreistachelige Stichling so häufig, dass er in großen Mengen in den Haffen mit Zugnetzen gefangen und dann zu Fischmehl oder gar Düngemittel verarbeitet wurde.

Merkmale, Form und Färbung des Dreistachligen Stichlings

Der Körper des Dreistacheligen Stichlings ist gestreckt und seitlich abgeflacht, die Schnauze ist spitz und das Maul relativ klein. Auf dem Rücken hat der Fisch meist 3, seltener 2 bis 5 einzeln stehende, bewegliche Stacheln. Auch die vorderen Strahlen der Bauchflossen sind zu wehrhaften Stacheln umgewandelt. Alle Stacheln können aufgerichtet werden und in eine Art Scharnier einrasten. Mit Hilfe dieser Stacheln kann sich der Stichling auch gegen Fressfeinde erfolgreich zur Wehr setzen. Entlang der Seitenlinie ist eine Reihe von Knochenplatten zu sehen, die auf dem Schwanzstiel gekielt sind, allerdings nur bei den ausgewachsenen Stichlingen; die Jungfische sind ungepanzert. Am stärksten sind die Salzwasserformen gepanzert. Ein auffallendes Merkmal aller Stichlingsarten ist, dass sie keine Schuppen haben. Außerhalb der Laichzeit sind Männchen und Weibchen relativ schlicht gefärbt: Die Rückenpartie hat eine blaugraue bis olivgrüne Färbung, die Flanken sind grau, die Bauchseite weißlich gefärbt. Der Dreistachlige Stichling bleibt in den Binnengewässern 5 bis maximal 8cm klein, während die marine Wanderformen Längen von bis zu 11cm erreichen können.

Neben dem Dreistachligen Stichling kommt in Deutschland auch eine zweite einheimische Art vor, der Neunstachelige oder Zwerg-Stichling (Pungitius pungitius). Er ist jedoch wesentlich kleiner, ist relativ scheu und lebte eher als Einzelgänger. Im Gartenteich gepflegt, hat man daher vom Neunstacheligen Stichling nur wenig.

Pflege des Dreistachligen Stichlings im Gartenteich

Dreistachlige Stichlinge sind sehr anpassungsfähig und können jeden noch so kleinen Miniteich erfolgreich besiedeln. In der Natur überleben sie oft als einzige Fischart in stark überdüngten oder mit Abwasser belasteten Gewässern. Trotzdem sollte man sie eher in einem sauberen Gartenteich mittlerer Größe mit einem feinkiesigen Bodensubstrat und teilweise dichter Bepflanzung mit Wasserpest, Hornkraut oder Tausendblatt der Flachwasserzone halten. Diese feinen Blätter braucht das Stichlingsmännchen später zum Nestbau. Zu kalkhaltiges Wasser soll den Stichling anfälliger gegenüber Fischkrankheiten machen und seine Lebenserwartung deutlich schmälern.

Stichlinge bilden Reviere und sind besonders während der Fortpflanzungszeit untereinander und gegenüber anderen Teichbewohnern recht aggressiv. Daher sollte man sie in einer kleinen Gruppe von Stichlingen in einem Artbecken pflegen. Ist der Gartenteich größer und bietet auch anderen Fischen genügend Rückzugs- und Ausweichmöglichkeiten, dann kann man den Dreistachligen Stichlingen auch mit ähnlich kleinen Fischarten wie dem Bitterling, der Elritze oder dem Moderlieschen zusammen halten. Für den Besatz mit Stichlingen empfiehlt sich ein Geschlechterverhältnis von Männchen zu Weibchen 2 zu 5 bis 7. Dreistachlige Stichlinge müssen kalt überwintern bei Wassertemperaturen zwischen 4 bis 8°C, sonst pflanzen sie sich nicht fort.

Für die Tiefwasserzone reicht eine Mindesttiefe von 60cm. Will man die Stichlinge im Gartenteich auch überwintern, dann ist – wie üblich – die tiefste Stelle im Teich mit wenigstens 90cm anzusetzen, damit der Teich auch in strengen Wintern nicht bis zum Boden durchfriert. In die Mitte setzt man als Solitärpflanze eine Seerose in einem Gitterkorb. Als Bodengrund für die Flachwasser- und Tiefwasserzone wählt man eine etwa 5cm dicke Schicht aus gewaschenem Flusskies oder –Sand. Der Stichling fühlt sich über zu hellem Untergrund nicht wohl, weißer Quarzsand ist daher als Bodensubstrat weniger gut geeignet. Zwischen den Kies platziert man 2 bis 3 Gruppen aus größeren Steinen, die den Stichlingen als Reviermarken dienen können. So haben die Stichlinge die Möglichkeit, ihr eigenes Revier einzurichten und gegen Eindringlinge zu verteidigen. Außerhalb der Paarungszeit sind die Stichlinge recht friedlich und ziehen gemeinsam im Schwarm umher.

Von Vorteil ist ein Gartenteich für die Haltung und Zucht von Stichlingen, der teilweise im Halbschatten oder Schatten liegt und sich im Sommer nicht zu sehr aufheizt. Auch eine kräftige Belüftung oder Wasserumwälzung durch eine Filteranlage ist von Vorteil.

Ausgewachsene Stichlinge kann man mit Lebendfutter jeglicher Art versorgen. Jungtiere kann man mit handelsüblichem Trockenfutter für Zier- und Teichfische aufziehen. Stichlinge halten sich gerne unter Schwimmblätter versteckt, wo sie auf vorbeischwimmende Beutetiere lauern. Dazu gehören auch Kaulquappen; in einen Teich, der von Fröschen oder Molchen besiedelt wird, sollte man daher aus Naturschutzgründen keine Stichlinge einsetzen.

Vermehrung des Dreistachligen Stichlings

Die Laichzeit der Stichlinge fällt – je nach Wassertemperatur – in die Monate März bis Juli. Die Stichlingsmännchen bekommen zur Laichzeit eine auffallend rot gefärbte Kopfpartie, eine blaugrün leuchtende Iris und einen smaragdgrünen Körper. Die Weibchen bleiben dagegen schlicht silbrig gefärbt. Durch die Eier haben sie zur Paarungszeit einen kräftig aufgetriebenen Körper mit einer gelblich glänzenden Bauchseite. Stichlinge bilden Vaterfamilien, nur das Männchen baut ein Nest und kümmert sich nach der Eiablage um die Larven und Jungfische. Das Nest wird aus Blättchen von Wasserpflanzen angelegt und mit dem fädigen Nierensekret der Männchen zusammengekittet. Jedes Weibchen kann pro Laichsaison bis zu 450 Eier legen. Die Fischlarven schlüpfen nach 1 bis 2 Wochen.

Literaturhinweis

BEVAN, D. (2006): Stichlinge züchten – Ein Naturschauspiel der besonderen Art.- in: Gartenteich – Das Wassergarten-Magazin, 1/2006, S. 27-30.