Libellen am Gartenteich - Überblick und Arten


Libellen am Gartenteich


Libellen gehören mit zu den ältesten, heute noch existierenden Insekten. Auch wenn sie sehr gut sehen und ihre Beute als geschickte Räuber erspähen, für Menschen sind sie völlig harmlos.

Sowohl die Imagines als auch die Larven der Klein- und der Großlibellen unterscheiden sich deutlich voneinander. Obwohl sich beide Gruppen in ihren Milieuansprüchen und in ihrer Lebensweise ähneln. Je nach Libellenart werden die unterschiedlichsten Gewässertypen besiedelt. Einige der häufigsten und schönsten Arten finden sich auch regelmäßig zur Jagd auf andere Insekten und zur Fortpflanzung am Gartenteich ein.

Nach der Paarung, die im Flug stattfindet, legt das Weibchen die Eier in Pflanzenteile, in den Uferschlamm oder lässt sie direkt ins Wasser fallen. Die Larven benötigen bis zu 3 Jahre für ihre Entwicklung und wandeln sich nach bis zu 15 Häutungen zur Imago. Dazu klettern sie an Pflanzenstängeln über die Wasseroberfläche hinaus.

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Verbreitung und Lebensraum der Libellen

In Mitteleuropa kommen etwa 80 Libellenarten vor. Ihre Larven besiedeln die unterschiedlichsten Gewässer. Je nach Art kommen sie in Bächen, Torfmooren, Seen oder kleineren, pflanzenreichen Weihern und Teichen vor. Daher sind für viele Arten auch Gartenteiche attraktiv, sofern diese nicht zu klein sind. Die Larven der Plattbauchlibellen können sich sogar wochenlang in den Schlamm eingraben, um Trockenperioden zu überstehen. Einige der regelmäßig am Gartenteich anzutreffenden Libellenarten werden hier vorgestellt. Die folgende Tabelle gibt einen ersten Überblick:

Name Wissensch. Name Familie Gewässertyp Paarungszeit Larvenentwicklung
Kleinlibellen - Schlankjungfern
Große Pechlibelle Ischnura elegans Ischnuridae Stehende und langsam fließende Gewässer Mai bis September 1 Jahr oder weniger, manchmal 2 bis 3 Generationen
Hufeisen-Azujungfer Ceonagrion puella Coenagrionidae Stehende Gewässer aller Art Mai bis September 3 bis 12 Monate
Großlibellen
Blaugrüne Mosaikjungfer Aeshna cyanea Aeshnidae Seen, Teiche, Tümpel Frühjahr bis Spätherbst 2 Jahre
Große Königslibelle Anax imperator Aeshnidae Pflanzenreiche Seen,Tümpel, Teiche Mitte Juni bis Mitte August 1 bis 2 Jahre
Blutrote Heidelibelle Sympetrum sanguineum Libellulidae Teiche, Tümpel, auch Fischteiche und Gartenteiche Juli bis Oktober 1 Jahr
Plattbauch Libellula depressa Libellulidae Klare, pflanzenarme Teiche mit schlammigem Grund Mai bis Anfang August 1 Jahr

Merkmale, Form und Färbung der Libellen

Die Libellen teilen sich in zwei Unterordnungen auf, die leicht an ihrer äußeren Erscheinungsform zu unterscheiden sind: Die Kleinlibellen oder Schlankjungfern (Zygoptera) und die Großlibellen oder Drachenfliegen (Anisoptera). Kleinlibellen sind mit weniger als 4cm relativ klein und schlank gebaut. Vorder- und Hinterflügel sind annähernd gleich groß und von gleichem Aussehen. Kleinlibellen haben einen großen Augenabstand. Großlibellen haben einen gedrungenen Körperbau, manche Arten werden bis zu 8cm groß. Die Hinterflügel haben eine breitere Basis und sind größer als die Vorderflügel. Die Augen stoßen in der Kopfmitte fast zusammen. Die beiden großen Komplexaugen setzen sich aus bis zu 28.000 Facetten, den sogenannten Ommatidien, zusammen. Diese Facettenaugen haben eine sechseckige Struktur und einen Durchmesser von nur vier hundertstel Millimeter. Diese Komplexaugen ermöglichen den Libellen eine optimale räumliche Orientierung und ein scharfes Bewegungssehen. Zusätzlich haben die Libellen drei kleinere Ocellenaugen.

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Libellen zählen zu den Insekten mit einer unvollständigen Entwicklung (Hemimetabole Insekten). Auf mehrere Larvenstadien folgt direkt die Imago. Eine Puppe als Ruhestadium zwischen Larve und Imago wie z.B. bei Schmetterlingen und Käfern gibt es bei den Libellen nicht. Die Libellenlarve häutet sich in regelmäßigen Abständen und wächst dann jedes Mal ein Stückchen, solange ihr Exoskelett noch weich und dehnbar ist. Je nach Art liegt die Zahl der Larvenstadien zwischen 10 und 15. Auch bei den Larven sind Groß- und Kleinlibellen leicht voneinander zu unterscheiden: Großlibellen-Larven haben Kiemen, die im Enddarm verborgen liegen, die Larven der Kleinlibellen haben zusätzlich an der Hinterleibsspitze drei große, federförmige Kiemenblättchen. Die Larven der Großlibellen haben einen gedrungenen, plump wirkenden Körper, die Larven der Kleinlibellen sind ähnlich schlank und länglich gebaut wie ihre Imagines.

Alle Libellenlarven leben räuberisch, zunächst vor allem von Einzellern und Zooplankton. Später lauern sie Kleinkrebsen, Würmern und Wasserinsekten auf. Ältere Larvenstadien machen auch vor Kaulquappen und Jungfischen nicht Halt. Dabei können sie mit ihrer zur Fangmaske umgebildeten Unterlippe blitzschnell zu schnappen. Die Larven krabbeln normalerweise langsam umher, können aber auch blitzschnell nach dem Rückstoßprinzip einer Rakete durchs Wasser schießen, indem sie das Wasser aus dem Enddarm durch kräftiges Zusammenziehen ausstoßen.

Die Larven der Kleinlibellen können auch schwimmen, wobei sie sich langsam -schlangengleich- links und rechts durchs Wasser winden. Um sich ein letztes Mal zur Imgao zu häuten, klettert die Libelle an einem Pflanzenstängel aus dem Wasser. Zwischen der Larvenhaut und der späteren Imago sammelt sich Luft, bis der Druck soweit steigt, dass der Rücken der Larve aufplatzt. Aus diesem Spalt zwängen sich Brust und Flügel, Kopf, Beine und endlich auch der Hinterleib. Diese Prozedur kann sich bis zu 2 Stunden hinziehen. Schließlich bleibt nur die leere Larvenhülle, die Exuvie, zurück.

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Pflege der Libellen im Gartenteich

Man kann sich noch so große Mühe geben, ein Gartenteich wird immer ein künstliches Gewässer bleiben. Selbst wenn man ihn noch so naturnah gestaltet, man wird immer Kompromisse eingehen müssen und dabei erheblich von Größe, Untergrund und Substrataufbau, Bepflanzung und Wasseraustausch eines natürlichen Gewässers abweichen müssen. Obwohl ein Teich der Definition nach ein künstlich angelegter Weiher ist, der ablassbar ist. Demgegenüber wäre ein Tümpel ein stehendes Kleingewässer, das nur zeitweise mit Wasser gefüllt ist – was man bei einem Gartenteich aber nicht hoffen will. So darf es nicht wundern, wenn sich nicht alle Wassertiere von selbst am Gartenteich ansiedeln und nicht alle in den Gartenteich eingesetzten Tiere sich auf Dauer dort wohlfühlen oder sich gar fortpflanzen.

Erstaunlicherweise fliegen aber gerade Libellen, unter ihnen die schönsten und am weitesten verbreiteten Arten, den Gartenteich immer wieder an, bilden dort ihr eigenes Revier, pflanzen sich dort fort und ihre Larven entwickeln sich dort über Monate oder Jahr hin bis zur flugfähigen Imago. Welche Libellenarten sich dort ansiedeln, muss man dem Zufall überlassen; steuern etwa durch bestimmte Pflanzpläne, Größe und Tiefe der Wasserfläche lässt sich das kaum. Es gilt jedoch einige Grundregeln zu beachten, will man Libellen auf Dauer im Gartenteich ansiedeln: Die Wassertiefe muss so tief sein, dass der Teich nicht bis zum Grund zufriert. Die Larven brauchen Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Einige Arten graben sich im weichen Sediment ein, andere lauern zwischen dichten Wasserpflanzenbeständen auf ihre Beute. Außerdem erleichtern einige über die Wasseroberfläche hinausragende Pflanzenstängel die Ausstiegshilfe der Larve bei ihrer Metamorphose zur Imago. Die Imagines brauchen Landplätze und Ansitze am oder über der Wasserfläche, sowie eine freie Wasserfläche, über der sie im Flug nach Insekten jagen oder sich paaren können.

Alle Libellenarten stehen unter Naturschutz. Siedeln sich ihre Larven im Gartenteich an, darf man sie nicht entfernen und muss in Kauf nehmen, wenn sie die Fischbrut, Molchlarven oder Kaulquappen dezimieren. Umgekehrt fressen aber auch die größeren, ausgewachsenen Fische Libellenlarven

Vermehrung der Libellen im Gartenteich

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Die Paarung läuft bei allen Libellen mehr oder weniger nach dem gleichen Grundschema ab: Sobald das Männchen ein paarungsbereites Weibchen entdeckt hat, stürzt es sich darauf, packt es mit seinen Beinen und klammert sich mit den Zangen seines Abdomens bei den Anisopteren am Hinterhaupt, bei den Zygopteren an der Brust des Weibchens fest. Beide fliegen nun in einer Paarungskette umher. Währenddessen biegt das Männchen sein Hinterleibsende bis zum zweiten Hinterleibssegment, um sein Begattungsorgan dort mit Sperma zu füllen. Danach streckt sich das Männchen wieder, und nun krümmt das Weibchen sein Hinterleibsende nach unten vor und heftet es am männlichen Geschlechtsorgan fest. Dadurch bilden beide im Flug ein Paarungsrad.

Sobald die Paarung vollzogen ist, lässt das Männchen das Weibchen los. Dieses legt nun die Eier ab, in dem es sie einzeln auf die Wasseroberfläche fallen lässt, in Pflanzenteile oder in den Uferschlamm implantiert. Bei manchen Arten überwacht währenddessen das Männchen über dem Weibchen kreisend das Geschehen und hält Rivalen fern. Die Weibchen mancher Arten legen mehrmals Eier in zeitlichen Abständen im gleichen Teich ab, andere suchen nach und nach verschiedene Gewässer auf, um dort überall einen Teil der Eier ab zu legen. Beide Fortpflanzungsstrategien dienen dazu, die Überlebenschancen der Nachkommen zu steigern.

Werden die Eier noch im Spätsommer oder Frühherbst gelegt, dann schlüpfen die Larven nach einigen Wochen und überwintern im Larvenstadium. Erfolgt die Eiablage erst im Spätherbst, dann überwintert die Folgegeneration zunächst im Eistadium und schlüpft dann erst im darauffolgenden Frühjahr. Je nach Zeitraum der Eiablage ergibt sich dadurch eine 1 bis 2-jährige Entwicklungszeit der Larven; manche größere Arten benötigen dazu sogar 3 Jahre.

Literatur

BELLMANN,H. (1988): Leben in Bach und Teich.- Gunter Steinbachs Farbige Naturführer.- Mosaik Verlag (München).
ENGELHARDT,W. (1983): Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher?.- Kosmos Franckhsche Verlagshandlung (Stuttgart).
REIHHOLF-RIEHM, H. (1983). Insekten.-Gunter Steinbachs Farbige Naturführer.- Mosaik Verlag (München).





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